Zur Serie „Engel“
Die Serie „Engel“ entstand im Jahr 2007. Bei diesen Arbeiten tritt deutlich zutage, dass Ute Rathmann ihre ästhetische Auffassung an altmeisterlichen Studienblättern wie beispielsweise von Leonardo da Vinci orientiert. Vergilbungen, Risse und Verletzungen verstärken als Spuren der Vergangenheit in ihren Augen den visuellen Reiz. Diese Ästhetik findet sich in ihren überzeichneten und übermalten Collagen wieder.
Ute Rathmann bewahrt sich in ihren Arbeiten stets die Möglichkeit, erneut in die Zeichnung einzugreifen, diese zu korrigieren und zu verändern. Dementsprechend wählt sie ihre Werkzeuge: Stifte, deren Strich wegzuradieren ist und Wasserfarben, die anlös- und auslöschbar sind. Das Papier muss ausreichend strapazierfähig sein, um den Prozess des Auf- und Abtragens auszuhalten. Erhaltene Spuren kann die Künstlerin umdeuten, verworfene Blätter zerreißt sie und fügt sie fragmentarisch zu einem neuen Untergrund zusammen.
Das Schiele-Projekt
2008 fanden sich die drei bildenden Künstler Mechthild Ehmann (Plastik), Peter Schulz Leonhardt (Zeichnung, Grafik) und Ute Rathmann (Zeichnung) für ihr „Schiele-Projekt“ zusammen. Inspiration war die gemeinsame Affinität für den expressionistischen Künstler der Jahrhundertwende Egon Schiele. Ausgehend von dessen figurativen Darstellungen stellten die drei Künstler seine Motive nach, um diese direkt vor der Natur zu studieren und in der jeweils eigenen Handschrift zu formulieren. Ein weibliches Modell, dem bevorzugtem Körpertypus Schiele entsprechend mit langen, sichtbar definierten Gliedmaßen, wurde nach den zeichnerischen Vorlagen bekleidet und nahm die vorgegebene Haltung ein.
Die entstandenen Arbeiten lösten sich vom Vorbild, wurden zu künstlerisch eigenständigen Werken. Die Spannbreite von drei sehr unterschiedlichen Handschriften bei gleicher Thematik und zusätzlich der direkte Vergleich zu Egon Schiele machen den großen visuellen Reiz der gemeinsamen Projekts aus.
Der Videokünstler Hans-Peter Lübke hat das Projekt mit der Kamera begleitet und zu einem Kurzfilm verarbeitet.
Berliner Zeitung "Lichter suchen, Schatten fangen"
Projektraum Sieben
Kleid und Kostüm
Zentrales Thema in Ute Rathmanns künstlerischem Oeuvre ist der bekleidete, teils sogar kostümierte menschliche Körper. Dabei nutzt sie die große Bandbreite der Möglichkeiten, welche die Zeichnung bietet, und setzt die verschiedensten Stilmittel wie Andeutungen, Übertreibungen, Verfremdungen oder Reduzierungen ein. Expressiver Ausdruck und Poesie verschmelzen zu einer Einheit.
Oft entstehen Serien, die sich neben den verschiedenen Techniken auch nach den unterschiedlichen Herangehensweisen, bzw. Ausgangspunkten untergliedern lassen (Naturstudien, Interpretationen fotografischer Vorlagen, freie Studien, usw.).
Einige Arbeiten sind verrätselt und geheimnisvoll, andere hingegen naturalistisch und konkret. Gemeinsam ist allen, dass sie einen ausreichend großen Freiraum für die Phantasie des Betrachters lassen.
„Das Kleid als Leinwand“
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Ein Thema, das auch veranlasst, Bekleidung auf Flächen zurückzuführen. Kein Fall eines Materials mehr, nicht Fältelungen, Raffungen oder andere Verarbeitungen, sondern Reduktion auf einen Grundkörper, eine Art Kleidsynonym: Säule- Kegelabschnitt- Säule. Abgewickelt und plangelegt sind das auch Flächen. Vorderteil und Rückenteil sind im Modedesign die beiden Hauptansichten für Gestaltung. Ute Rathmann ist es hier gelungen, mit diesem Kleidsynonym, dieser Art Kleidurform, die zwei gültigen Hauptansichten des Mode-Designs mit der Bedeutsamkeit der 360 Ansichten jeder Skulptur, jedes Körpers, zu erweitern.
Projektionen auf dem Kleid-Körper blieben für sie Anregung, Skizze, waren Zustand und Vorstadium.
Ute Rathmanns Entscheidung, es nicht bei wechselnden Projektionen auf dem Kleidkörper zu belassen, also nicht temporär zu sein, war eine bewusste Entscheidung für der Gegenstand, für die Anwesenheit von sechs verschiedenen Kleidern nebeneinander, für Haptik, für tatsächlichen Farbauftrag, für Materialität, für eine Unveränderbarkeit, für das Unikat, für die Serie….Prof. Christine Perthen
Berlin 20.10.2002
Kritiken
Klaus Klingbeil, ddp " (...) In einer heutigen Fassung und in der Regie von Barbara Abend war am Donnerstag Abend begeistert gefeierte Premiere.(...) Nur fünf Schauspieler sind in nicht weniger als neun Rollen zu erleben, voran Jens-Uwe Bogadtke(...) Die übrigen vier Mimen erscheinen differenziert in jeweils zwei Rollen. Dieser Wechsel wird durch Ute Rathmanns charakteristische Kostüme unterstützt." Vollständiger Text
Angelika Cromme, www.berliner-theaterkritiken.de "(...) Ute Rathmann hat mit wenigen Aufsatzstücken die prachtvollen Roben jener Zeit verziert und die Frisuren und Perücken leicht verrückt karikiert." Vollständiger Text
Kritiken
Christoph Funke, Der Tagesspiegel "Im Theater im Palais inszeniert Herbert Olschok jetzt die Komödie, und schon das Bühnenbild von Alexander Martynow stimmt auf ein Mordvergnügen ein. Die Winkel der Hochadligen Wohnstube sind expressionistisch verfremdet, offenbar mit in die Wände gebrochenen Fenstern Verschrobenheit. Mehr als Tisch, Stühle und ein Telefon braucht es nicht, die Darsteller glänzen in prachtvollen Kostümen (Ute Rathmann) - und werden von einer rhythmisch raffinierten Musik geleitet (Komposition und am Klavier: Ute Falkenau). Peter Rauch gibt einen stämmigen Lord Savil, der sich mit hintergründiger Begriffsstutzigkeit intellektueller Brillanz verweigert. Olschok will das zeremoniös Überlastete der Figuren zeigen, ihre behauptete Vornehmheit. Das macht Spaß, weil das Dasein einer in ihre Nutzlosigkeit verkrallten Schicht sich offenbart. Verwandlungen werden elegant serviert, mit deutlichem Vergnügen an sanfter bis deftiger Übertreibung." Vollständiger Text
Vita
| 1975 | Geboren in Ratzeburg |
| 1994–1997 | Ausbildung zur Herrenschneiderin |
| 1997–2002 | Studium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Fachrichtung Mode-Design, Abschluss: Diplom |
| seit 2002 | Tätig als freischaffende Künstlerin |
| 2003 | Ernennung zur Meisterschülerin von Christine Perthen |
| seit 2004 | Lehrauftrag an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee |
| 2006 | Gastprofessur an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee |
| seit 2007 | Fachlehrerin am Lette-Verein Berlin, FG Mode-Design |
| seit 2008 | Freischaffende Kostümbildnerin am Theater im Palais, Berlin Unter den Linden |
Aktuelle Arbeiten immer auf Facebook
Einzel- und Gruppenausstellungen
| 2001 | „Weißenseer Fenster - Arten der Zeichnung“, Verlagsgebäude der Berliner Zeitung |
| 2002 | Galerie M in Berlin-Marzahn |
| 2003 | „Figur und Kleid“, Studio Bildende Kunst, Kulturamt Lichtenberg von Berlin |
| 2004 | „Art Club“, Kunstverein Burgwedel/ Isernhagen Galerie Bilderwelten, Berlin- Prenzlauer Berg |
| 2006 | „Christine Perthen und Schüler“(Gedenkausstellung), Kunsthochschule Berlin- Weißensee „Anonyme Zeichner 2“, Galerie Blütenweiss, Berlin-Mitte „Kleid und Kostüm“, Handzeichnungen, Galerie in der Lithowerkstatt, Berlin-Treptow |
| 2007 | „Mode meets Malen - Modemiezen malen“, Merz, Schau!raum für Unikate, Berlin „Kunst trifft Mode“, Galerie k20, Berlin |
| 2008 | Plakat und Kostümentwürfe, Theater im Palais, Berlin „24“, Galerie k20, Berlin |
| 2009 | „Meine Verehrung“, Klötze und Schinken, Berlin „Das Schiele-Projekt“, Projektraum sieben, Berlin „Ein Sommernachtstraum“, 30 Links, Berlin „The Big Draw“, Lange Nacht der Museen, Kunstgewerbemuseum, Berlin |
| 2010 | „Handzeichnungen und Druckgraphik“, Studio Bildende Kunst, Berlin „Auge, Hand und Sinne“, atelier laubbach, Ostrach-Laubbach |
Presse
„Ute Rathmanns Zeichnungen hier sind ausschließlich vor dem Modell entstanden, vor der Natur (also nicht nach ihr). Doch die eher eindeutige Darstellung des Modells, des ganzen Gegenüber, hat sie aufgegeben zugunsten einer Mischform: Genaues im Ungenauen, sich Auflösenden. Manchmal gibt es sehr naturnahe Köpfe bei ihr, vereinzelt Hände, denen sich freie rhythmische Linien aus der Gegend des Informel bis zur Überlagerung nähern. Beinernes wie Körper, Schädel, zwingt sie zur „Maßtreue“, aber Gewand, Kleid, Stoff, Tuch, Mütze erlauben ihr, zeichnerisch auszuufern, entlassen sie in die totale graphische Freiheit – in die FREIE ZEICHNUNG, die unvernünftige, schönheitstrunkene, von jedem Zweck befreite.“
Prof. Christine Perthen
Auszug aus einem Text für das Heft „Zeichnung“, eine Publikation der Kunsthochschule Berlin-Weißensee (2002/2003)
Texte zu Ausstellungen und Projekten
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Kontakt
Ute Rathmann
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